Weltraummission CHEOPS
«Was sollte ich auf gar keinen Fall tun?»
Seit über fünf Jahren liefert das Berner Teleskop CHEOPS hochpräzise Daten aus dem Weltraum. Anfangs 2025 übernahm Christopher Broeg die Leitung der Mission von Willy Benz. Nun haben sich die beiden für uniAKTUELL zum Gespräch getroffen.
CHEOPS ist eine gemeinsame Mission der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) und der Schweiz, unter der Leitung der Universität Bern in Zusammenarbeit mit der Universität Genf. Seit seinem Start vom europäischen Weltraumbahnhof in Französisch-Guayana am 18. Dezember 2019 hat CHEOPS die Eigenschaften von zahlreichen faszinierenden Planeten ausserhalb unseres Sonnensystems, von sogenannten Exoplaneten, aufgedeckt. Die Präzision von CHEOPS hat dabei alle Erwartungen übertroffen, und das Weltraumteleskop ist zu einem Schlüsselinstrument für Astronominnen und Astronomen in Europa und weltweit geworden. 2023 wurde die Mission von der ESA um drei Jahre verlängert, mit Aussicht auf eine weitere Verlängerung bis 2029.
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Willy Benz war Professor für Astrophysik an der Universität Bern und als Prinicipal Investigator der Hauptverantwortliche der CHEOPS-Mission. Unter seiner Leitung wurde das Weltraumteleskop während fünf Jahren an der Universität Bern entwickelt, gebaut und getestet. Ende 2024 hat Christopher Broeg die Nachfolge von Willy Benz als Principal Investigator angetreten. Broeg war seit 2012 Mission Manager der CHEOPS-Mission und ist nun also Leiter des CHEOPS-Konsortiums, an dem über 100 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus elf europäischen Ländern beteiligt sind.
Für die Entwicklung des Teleskops wurde an der Universität Bern eigens ein Labor mit einer schweizweit einmaligen Kalibrations- und Vakuumkammer gebaut. Dort haben sich die beiden Weltraumforscher zum Gespräch über bisherige Highlights und die Zukunft der Mission getroffen.
Zur Person

Dr. Christopher Broeg
studierte an der Technischen Universität München (TUM) Physik, machte seine Diplomarbeit am Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik (MPE) in München und doktorierte 2006 an der Friedrich-Schiller-Universität (FSU) in Jena. Ziel seiner Dissertation war die Erarbeitung einer Vorhersage möglicher Planetenpopulationen um andere Sterne. 2007 kam er als Postdoktorand an die Universität Bern. Broeg war seit 2012 CHEOPS Mission Manager und hat nun die Nachfolge von Willy Benz als Principal Investigator angetreten.
Zur Person

Prof. em. Dr. Willy Benz
war bis Ende 2024 Hauptverantwortlicher der CHEOPS-Mission. Er studierte Physik an der Universität Neuchâtel und erlangte 1984 den Doktortitel in Astrophysik an der Universität Genf. Anschliessend war er am Los Alamos National Laboratory und an der Harvard University, wo er ab 1987 Assistenzprofessor war. Anschliessend lehrte er an der University of Arizona und an der Universität Genf. Seit 1997 war Benz Professor an der Universität Bern und zwischenzeitlich Direktor des Physikalischen Instituts und des Nationalen Forschungsschwerpunkts PlanetS. Er war Präsident des ESO-Rats der Europäischen Südsternwarte ESO. Seit Sommer 2024 ist Benz Präsident der Internationalen Astronomischen Union (IAU).
CHEOPS – Auf der Suche nach potenziell lebensfreundlichen Planeten
Die CHEOPS-Mission (CHaracterising ExOPlanet Satellite) widmet sich der Charakterisierung von Exoplaneten-Transiten. Dabei misst CHEOPS die Helligkeitsänderungen eines Sterns, wenn ein Planet vor diesem Stern vorbeizieht. Aus diesem Messwert lässt sich die Grösse des Planeten ableiten und mit bereits vorhandenen Daten daraus die Dichte bestimmen. So erhält man wichtige Informationen über diese Planeten – zum Beispiel, ob sie überwiegend felsig sind, aus Gasen bestehen oder ob sich auf ihnen tiefe Ozeane befinden. Dies wiederum ist ein wichtiger Schritt, um zu bestimmen ob auf einem Planeten lebensfreundliche Bedingungen herrschen.
CHEOPS hat am Mittwoch, 18. Dezember 2019 an Bord einer Sojus-Fregat-Rakete vom Europäischen Weltraumbahnhof Kourou, Französisch-Guyana, seine Reise ins Weltall angetreten. Seither umkreist CHEOPS die Erde innerhalb von ungefähr anderthalb Stunden in einer Höhe von 700 Kilometer entlang der Tag-Nacht-Grenze.
Mehr Informationen: https://cheops.unibe.ch/de/
Berner Weltraumforschung: Seit der ersten Mondlandung an der Weltspitze
Als am 21. Juli 1969 Buzz Aldrin als zweiter Mann aus der Mondlandefähre stieg, entrollte er als erstes das Berner Sonnenwindsegel und steckte es noch vor der amerikanischen Flagge in den Boden des Mondes. Dieses Solarwind Composition Experiment (SWC), welches von Prof. Dr. Johannes Geiss und seinem Team am Physikalischen Institut der Universität Bern geplant und ausgewertet wurde, war ein erster grosser Höhepunkt in der Geschichte der Berner Weltraumforschung.
Die Berner Weltraumforschung ist seit damals an der Weltspitze mit dabei: Die Universität Bern nimmt regelmässig an Weltraummissionen der grossen Weltraumorganisationen wie ESA, NASA, oder JAXA teil. Mit CHEOPS teilt sich die Universität Bern die Verantwortung mit der ESA für eine ganze Mission. Zudem sind die Berner Forschenden an der Weltspitze mit dabei, wenn es etwa um Modelle und Simulationen zur Entstehung und Entwicklung von Planeten geht.
Die erfolgreiche Arbeit der Abteilung Weltraumforschung und Planetologie (WP) des Physikalischen Instituts der Universität Bern wurde durch die Gründung eines universitären Kompetenzzentrums, dem Center for Space and Habitability (CSH), gestärkt. Der Schweizer Nationalsfonds sprach der Universität Bern zudem den Nationalen Forschungsschwerpunkt (NFS) PlanetS zu, den sie gemeinsam mit der Universität Genf leitet.