Better Science Initiative
«Exzellenz neu denken»
Damit wissenschaftliche Karriere und Familie besser miteinander zu vereinbaren sind, soll Exzellenz an der Universität neu gedacht werden. Das fordert die «Better Science Initiative», erklärt Heike Mayer, Mitinitiantin und Vizerektorin der Universität Bern.
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Heike Mayer: Wir möchten, dass der Exzellenzbegriff kritisch hinterfragt und breiter ausgelegt wird. An der Uni sollen auch Werte wie Nachhaltigkeit, Chancengleichheit und Diversität gefördert werden. Wird das Augenmerk auf ein faires, wertschätzendes und verantwortungsvolles Umfeld gelegt, führt das auch zu einer besseren und damit exzellenten Wissenschaft.
Thematisieren Sie auch den Druck, unter dem wissenschaftliche Forschung steht?Ja, wir machen auf das Problem aufmerksam, wenn sich das Wissenschaftssystem immer mehr beschleunigt und an den Kräften aller Beteiligten zehrt. Um den Diskurs über Exzellenz an der Hochschule zu fördern, haben wir zehn Handlungsaufforderungen formuliert. Wir geben damit allen Hochschulangehörigen Ideen und fordern sie auf, sich zu überlegen, wie sie die Uni-Landschaft in ihrer eigenen Arbeit prägen können. Insbesondere soll sich die Hochschule bezüglich ihrer Arbeitskultur besser aufstellen.
Wie helfen diese Aufforderungen den Müttern und Vätern, wissenschaftliche Karriere und Familie besser miteinander zu vereinbaren?Wichtig ist, alle Arbeit sichtbar zu machen. Also sollen Forschende in ihrem Lebenslauf unbedingt angeben, wenn sie Betreuungsarbeit geleistet haben oder leisten. Das akademische Alter wird damit «netto» sichtbar gemacht: Diese Zahl zeigt, wie viele Jahre man tatsächlich in der Forschung gearbeitet hat. So kann man die Produktivität von Bewerbenden besser vergleichen; diese Transparenz wird bei Auswahlverfahren auch an der Uni Bern noch zu wenig beachtet.
Beitrag zum Thema
Wissenschaft und Familie: Neue Wege zur Vereinbarkeit
Die Vereinbarkeit von Familie und wissenschaftlicher Karriere ist mit hohen Hürden und Opfern verbunden. Junge Ärztinnen und Forscherinnen wollen dies ändern, unterstützt von Initiativen, die bessere Rahmenbedingungen schaffen wollen.
Genau dieser Frage gehen wir nach. «Exzellenz» bedeutet auf jeden Fall nicht nur, dass man zahlreiche Publikationen vorweisen kann. Exzellent sein kann man in unterschiedlichen Bereichen, auch in der Lehre oder beim Impact, den die Forschungsergebnisse erzielen. Das Verständnis von Wissenschaft als einziger Leidenschaft – im Sinne von «Ich arbeite und lebe nur für die Forschung» – ist nach wie vor stark verbreitet. Die meisten Forschenden haben jedoch neben der Forschungsarbeit auch noch Familie. Unsere Initiative möchte auch diese Arbeit sichtbar machen. Wir müssen dieses Bild vom Forscher, der 150 Prozent arbeitet, ändern – ich benutze hier bewusst nur die männliche Form. Dabei gibt es schon heute unterschiedliche exzellente Forschende: Das kann die 80-Prozent-Teilzeitforscherin sein, eine Person, die im Jobsharing ein Institut leitet, oder Forschende, die erst spät in ihrer Karriere den PhD machen. Wir brauchen für diese Arbeitsformen noch mehr Vorbilder und Möglichkeiten, diese anderen Wege auch zu gehen.
Wer muss umdenken und handeln?Unsere Initiative ist ein Appell an alle, vor allem aber an Personen in Machtpositionen, also mit Professur, und die Hochschulleitung. Wir sollten etwa bei Bewerbungen offener sein und neue Arbeitszeitmodelle und Jobsharing fördern. Wir stehen noch am Anfang, aber es gibt schon gute Beispiele für Teilzeitforschung und Jobsharing. Wichtig ist, dass wir anerkennen, dass auch diese Forschenden exzellente Arbeit leisten.
Kontakt: Prof. Dr. Heike Mayer, Vizerektorin für Qualität und Nachhaltige Entwicklung heike.mayer@unibe.ch
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